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Das adelige Geschlecht der Zenger

Die folgenden Texte entstammen dem nicht genau datierbaren (vor 1900) Heft “Das Geschlecht der Zenger”. Auch ein Verlag ist nicht feststellbar. Die Einleitung wird von F. Hüttner stammen, der das Manuskript von Johann Ferdinand Buschberg (aus dem ersten Drittel des 19. Jahrhunderts) unmerklich verändert hat. Das Originalmanuskript ist angeblich im Staatsarchiv Amberg zu finden.

titel.jpgEinleitung

Im kgl. Kreisarchive zu Würzburg hinterlag bis zum Jahre 1894 (nunmehr in Amberg) ein Manuskript des bekannten Historikers Huschberg, welcher vom 11. Februar 1839 bis zu seinem am 20. August erfolgten Tode die Stelle eines Vorstandes des kgl. Archivs in Würzburg begleidete. Es ist eine geschichtliche Abhandlung über die Adelsfamilie Zenger, welche Huschberg als Reichsarchivbeamter aus Archivalien des kgl. allgemeinen Reichsarchiv in München zusammentrug.

Diese Familiengeschichte bildet einen wertvollen Beitrag zur Darstellung der Verhältnisse des Adels zum Landesherrn in Bayern während des Mittelalters, und da sie auch insbesondere die niederbayerischen Verhältnisse berührt, so dürte sie in den Vereinsverhandlungen des niederbayerischen historischen Vereins passende Verwendung finden.

Mit der niederbayerischen Geschichte hat sich Huschberg auch in seiner Darstellung des herzoglichen und gräflichen Gesammthauses Ortenburg (gedruckt Sulzbach, 1828) beschäftigt.

Was den Lebensgang Huschenberg´s belangt, so sei aud den einschlägigen Artikel von Eisenhart in der allgemeinen deutschen Biographie verwiesen.

Vorwort

Vor allen adligen Geschlechtern zwischen dem Böhmerwalde und der Nab glänzt besonders das der Zenger (nach böhmischer Mundart Szenger, Czenger, Tschenger und Tzenger) sowohl durch die große Zahl mannhafter und in allen Kämpfen und Fehden der herzoglichen Linien in Bayern und der Obern-Pfalz auftretender Männer, als durch seinen bedeutenden Grundbesitz und äußerst blühende Vermögensverhältnisse.

So wie die Thatkraft der einzelnen Glieder sich immer freier entwickelte, so that auch das Glück das Seinige und begünstigte ihre Unternehmungen. eigener Wille und jene dunkle Macht, die wir irrig öfters zufll nennen, erhoben die Zenger zu jender Stufe von Ansehen und Bedeutung, zu welcher unzählig vile Ministerial-Geschlechter jener Gegend wohl anstrebten, aber nichts destoweniger in Strome der Zeit untergingen und in Dunkelheit verschwanden.

Er ursprüngliche Stammsitz der Zenger ist zwar unbekannt, doch möchte wohl die alte Veste Nabburg an der Nab, im 11. und 12. Jahrhundert das Eigentum der Grafen von Vohburg, Markgrafen von Cham und Eger, der Ort gewesen sein, wo die Zenger als Dienstleute dieser nordgauischen Dynasten zuerst eine feste Heimath gewannen. Daß die Vohburger nach allgemeiner Sitte auf genannter Veste Burgleute hielten, welchen gegen Genuß bestimmter Güter und Einkünfte die Verteidigung derselben oblag, dazu geben die Geschlechter der Plankenfelser und Pertolzhofer einen Beleg, die lange in jener Gegend blühten. Diepold von Vohburg erscheint vor dem Jahre 1146 urkundlich als marchio de Nabburg.

Als dieses angesehende und mächtige Haus, aus welchem Kaiser Friedrich I. eine Tochter als Gemahlin heimführte, im Jahre 1204 ausstarb, gediehen dessen Besitzungen zum Theil an die Herzoge von Bayern, zum Theil an die Markgrafen von Hohenbrg auf dem Nordgau, welche mit den Vohburgern vielleicht den einen und denselben Stammvater hatten. Welchem Herrn Nabburg zuviel, ist unbestimmt.

Die ersten Glieder des Zengerischen Geschlechtes, welche urkundlich erscheinen, treten erst in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts aus. zwar reden alle Aufzeichnungen von einer Frau Wolfhild Zenger, der Hausfrau eines Jakob von Sandizell, welche im Jahre 948 letzteren auf das tunier zu Cosnitz oder Constanz begleitet habe, aber leider gab es zu genannter Zeit noch keine Familien-Namen, und jenes Tunier fand wohl auch nicht statt, da keine glaubhaften Denkmale dessen Haltung melden - Ferner geschieht eines Otto Zenger zu Zangenstein im Jahre 1099 Erwähnung, der eine ewige Lampe im Kirchlein zu Kätzelstorf gestiftet habe, aber die Burg Zangenstein wurde urkundlich erst im 14. Jahrhundert gegründet. So wird ferner einer Haimeran und Wolfgang Zenger um das Jahr 1165, eines Conrad und Otto in den Jahren 1230 und 1238 gedacht, aber daß sie wirklich in den angegebenen Jahren lebten, ist aus den Dokumenten nicht ersichtlich.

Conrad (1), Otto (3), Heinrich (6) und Wolfhart (4) Zenger sind die Ersten dieses Geschlechts, dessen Existenz keinem Zweifel unterworfen ist. Sie treten vom Jahre 1268 - 1288 auf. Als die Grafen Gebhart, Rapoto und Diepold von Murach aus dem Hause Ortenburg ihre Besitzungen zwischen Schwandorf, Nabburg, Lengenfeld, Amberg und Hirschau in Bayern veräußerten (1271 April 23), traten Haug von Kalmünz, Conrad von Solbach, Heinrich und Otto die Zenger, alle Ritter, als Zeugen auf; und als ebendieselben dem Herzoge Ludwig dem Strengen verhießen, ihm mit ihrer Burg Murach gegen alle Welt (contra quemlibet in mundo) zwei Jahre lang zu dienen (1271), und sondann ihm selbe mit allen ihren Besitzungen zwischen der Donau und dem Böhmerwalde verkauften (1272 Juni 11), wurden Heinrich und Otto die Zenger Burgmannen darauf.

So wie jene Ortenburge, so sah sich auch Landgraf Heinrich von Leutenberg im Jahre 1282 (Nov. 18) durch häusliche Umstände genöthigt, einen Teil seiner Grafschaft (partem comicie nostre in Luikenberg) samt seiner Gerichtsbarkeit und dem Geleitrechte an Bayern zu veräußern, un das Instrument darüber wurde in Gegenwart obigen Otto´s und eines Wolfhart (4) Zenger (Zengarii) ausgefertigt.

Weitere Aufzeichnungen zufolge soll nun jender Conrad (1), als dessen hausfrau Tuta von Schönstein angegeben wird, nicht nur der Vater jenes Otto, Heinrich und Wolfhart gewesen sein, sondern auch einen Sohn, genannt Ortlieb (2), gezeugt haben.

Ausser Conrad, als dem mutmaßlichen Stammvater, erscheint im Jahre 1299 auch ein Rudiger Zenger, der vielleicht dessen Bruder war.

Daß Conrad eine Tochter mit Namen Adelheid (5) hinterließ, ist aus einer Beschreibung der Herzoge und Pfalzgrafen Rudolph und Ludwig ersichtlich, gemäß welcher heinrich Geiganter, Adelheits Ehegatte, fünf Güter zu Meuschendorf rücksichtlich der Mitgift der letzten pfandweise besitzen sollte (1299).

Zu den genannten Orte hatte bereits 1288 Albert der Plankenfelser von Herzog Ludwig dem Strengen einen Hof erhalten, als er Mechthilde (7), die Tochter des verstorbenen Otto Zenger ehelichte (in Subsidium hujus matrimonii), und ebenso die Bestätigung eines dem letztern verpfändeten und von dessen Witwe dem Schwiegersohn abgetretenen Guts zu Altendorf erwirbt.

Ortlieb, Wolfhart und Heinrich wurdendie Stifter dreier Linien, von welchen die erste bereits im 14. Jahrhundert, die zweite im 16. und die dritte im 17. Jahrhundert ausstarb. Bei der bedeutenden verwirrung, welche in der Aufzählung der Stammglieder in älteren Werken herrscht (Hund und Breu), konnte auf manche derselben in dieser Ausarbeitung keine Rücksicht genommen werden, da eines Theils nicht die mindeste Bürgschaft für deren Existenz vorhanden ist und andern Theils den oft bestimmenden Angaben genannter Schriftsteller die Urkunden durchaus widersprechen.

Stammbaum der Zenger

Die folgenden Tafeln sind Scans (ca. 100 kb) aus dem Heft und zeigen den Stammbaum der drei Zenger-Linien: